// Critical Comments On The Suppression During Blockupy Frankfurt Action Days //

See the pictures and read the experience reports (German) from our installation concerning the protest and its supression during the Blockupy Frankfurt action days.

The photos we used for the posters can be found on:

http://www.realfragment.de/blog/index.php

http://www.flickr.com/photos/sterneck/sets

To watch our video on this action, click here.

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„Wenn Sie so ein anderes Verständnis von Demokratie haben, sollten Sie darüber nachdenken Deutschland zu verlassen.“

Mit diesen Worten ließ mich ein Polizist sprachlos stehen. Es war die neunte Kontrolle an diesem Tag. Mal wieder musste ich Auskunft über meine Person geben, wurde überprüft, durchsucht und gefragt wo ich herkomme und wo ich hin will. Natürlich fand die Polizei bei der Überprüfung meiner Daten nichts, denn nie würde ich Gewalt anwenden oder andere dabei unterstützen.

Was sich in Frankfurt vier Tage lang abgespielt hat, zeigt, wie wenig unsere Demokratie Wert ist, wenn es darum geht globale Kapitalflüsse zu sichern. Die PolizistInnen auf der Straße haben nicht für Recht und Ordnung gesorgt. Sie haben die Drecksarbeit für ein System gemacht, das die herrschenden Eliten aus Wirtschaft und Politik um jeden Preis halten wollen. Egal wie sehr die Menschen darunter leiden, egal wie viele Menschen dagegen demonstrieren und egal wie viele Menschen jeden Tag in Folge des Kapitalismus sterben. Meinungen, die die Funktionsweise dieses Systems in aller Öffentlichkeit in Frage stellen, um darüber nachzudenken, wie Menschen anders zusammenleben und wirtschaften können, sollten nicht gehört werden.

ie PolizistInnen haben die politischen Interessen von CDU und FDP mit der Rechtfertigung verteidigt, dass gewalttätige DemonstrantInnen erwartet werden. Wie die Polizei aber selber merkte, ging von den DemonstrantInnen keine Gefahr aus. Alle Altersgruppen wie auch die unterschiedlichsten sozialen Hintergründe waren vertreten. Zu jeder Zeit wurde von Seiten der DemonstrantInnen betont, dass sie nur friedlich ihre Meinung im öffentlichen Raum äußern möchten. Sonst nichts. Sie trommelten, diskutierten und hielten ihre Plakate hoch. Aber die Reaktion der Polizei war schockierend: Kontrollen, Einkesselungen, Gewalt und Festnahmen. Da viele meiner Freunde nicht in Frankfurt gemeldet waren, mussten wir uns vor der Polizei verstecken. Denn es reichte der Verdacht, dass man an einer nicht genehmigten Demonstration teilnehmen könnte bzw. teilgenommen hat, um mitten im öffentlichen Raum ohne Grund und Anlass angehalten zu werden und einen Stadtverweis verordnet zu bekommen. Dies bedeutet, dass man innerhalb von zwei Stunden die Stadt verlassen muss. Begründet wurde dieses Vorgehen mit der „gegenwärtigen Lage“. Die Blockupy-Aktionstage haben mich wütend und hoffnungslos zurückgelassen. Vielleicht hatte der Polizist Recht und ich muss wirklich irgendwann in ein anderes Land ziehen. Denn Krisen sind dem kapitalistischen System inhärent und gehören zu seinen Funktionslogiken.

Und Krisen führen zu Demonstrationen, die nur so lange akzeptiert werden, solange sie das System nicht grundsätzlich in Frage stellen.

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Fünf Tage im Mai oder wie ich zum Verlassen des Landes aufgefordert wurde am 17.05. und 18.05.

Blockupy – nach der Aktionskonferenz vom 24.-26. Februar 2012, auf der von einem breiten Bündnis beschlossen wurde, dass Proteste gegen das Spardiktat der Troika, so wie gegen den Raubkapitalismus stattfinden werden, wurden über 12 Veranstaltungsorte im Stadtzentrum angemeldet. Diese wurden von drei Gerichten verboten und man machte aus dem Stadtzentrum an diesen fünf Tagen eine Festung.

An einer dieser Festungsmauern mit behelmten, volluniformierten Polizisten, am Römer am 17.05. bei 30 C° im Schatten, ergaben sich zahlreiche Gespräche zwischen Bürgern und den Polizisten.

Mein Gespräch verlief so, ab dem Moment als friedliche Demonstranten auf dem Römer eingekesselt wurden:

Ich – warum ziehen Sie jetzt ihre Helme auf? Diese Menschen sind von weither angereist um hier friedlich zu protestieren, bei dieser Hitze werden sie irgendwann auch was trinken gehen oder essen gehen wollen, die werden schon irgendwann den Platz verlassen.

P – ach so sie meinen, dass wir sie am Weggehen hindern, raus gehen kann hier jeder

Ich – ja, aber diese Menschen wollen erstmal ihr Demonstrationsrecht wahrnehmen.

P – diese Veranstaltung ist verboten

Ich – Wenn Ihnen als Befehlsempfänger diese Order reicht, dann haben sie versäumt ihren Vorgesetzten zu fragen: „warum wollen diese Menschen protestieren?“

P – egal, das hier ist verboten, es ist vom Bundesverfassungsgericht verboten worden

Ich – es ist aber nicht richtig, diese Proteste zu verbieten, diese Proteste sind jetzt notwendig, das Verbot ist eine politische Entscheidung

P – ach, so, wenn ihnen die Gerichtsentscheidung nicht passt, dann ist sie nicht richtig in ihren Augen. Wenn sie offenbar die Entscheidungen des B-Verfassungsgerichts nicht achten, dann können sie wo anders hin gehen, in ein anderes Land wo es ihnen besser gefällt.

Ich habe dem Menschen unter dem Helm dann erklärt, weshalb ich das erste Mal mit meinen 52 Jahren auf die Strasse gegangen bin und dass ich das Land in dem ich lebe nicht verlassen werde, sondern mich für einen Systemwandel in allen Lebensbereichen einsetzen möchte (habe ihm dann einige Beispiele aus dem Alltag eines prekär Beschäftigten genannt, etwas von der Bibliotheksschließung im meinem Stadtteil und dass ich nicht mehr bereit bin für Bankenrettungen zu bezahlen… und, das konnte ich nicht weglassen: sie Tragen hier die Jugend weg, die ihre Pensionen bezahlt!) Dieser junger Polizist mit einem Spiraldraht im Ohr sagte nichts mehr, er wurde kurz darauf ausgewechselt.

So ähnlich verlief das Gespräch am nächsten Tag, am Abend, nach einem spontanen Rave einiger Jugendlicher die gut gelaunt waren und mit Bällen jonglierten.

Kessel, Gewahrsamnahme von drei Jugendlichen. Eine Mauer von behelmten, verkabelten Polizisten, von innen und von außen filmende Spezialisten. Auch hier wurde mir jetzt von einem älteren Menschen, den ich bezahle, nahegelegt, dass ich das Land, dessen Gerichturteil ich nicht respektiere, verlassen kann!?!?

Ich fordere eine Stellungnahme des Innenminister B. Rhein und des Polizeipräsidenten hierzu:

Wer ist für eine solche Gesinnung, oder besser gesagt, für diese Gehirnwäsche verantwortlich?

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Als wir am Freitagmorgen an einem Spaziergang vom Hauptbahnhof Richtung Messe teilnehmen wollten und wir erfahren hatten, das der Zug ins Westend verlief, gingen wir hinterher.

Dort angekommen sahen wir, wie mehrere Hundert Polizisten den Zug von ca. 50 Teilnehmern kesselten. Wir entschieden uns, in die Innenstadt zurückzukehren.

Richtung Innenstadt kam uns in jeder Straße ein Trupp Polizeihelme entgegen, die uns ebenfalls in Gewahrsam nehmen wollten.

Wir rannten.

Quer durch das Westend, über die Mainzer Landstraße jagten sie uns. Bis sie uns zu zehnt im Bahnhofsviertel einkesselten.

Erschrocken über diese Vorgehensweise schrieen wir um Hilfe. Nicht von der Polizei erhofften wir uns diese, sondern von den Anwohnern und den Passanten.

Lautstark empörten wir uns. Einer von uns verlas übers „Human Mic“ Artikel 8 des Grundgesetzes:

„Alle Menschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

Die Polizei machte sich lächerlich, indem sie uns anstachelte lauter zu schreien.

Man würde uns ja nicht verstehen.

In der Tat verstanden sie uns nicht…

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Grinsende Hooligans

„Humor ist äußerste Freiheit des Geistes. Wahrer Humor ist immer souverän.“ (Christian Morgenstern)

Weniges ist humorloser als ein Polizeiaufmarsch. Die Ästhetik vermummter, behelmter, schwer bewaffneter Einsatztruppen, die in ihren aufgerüsteten dunklen Schutzanzügen wie verirrte Eishockeyspieler in unmotiviert designten Trikots wirken, vermittelt totale Witzlosigkeit und nichts, das Geist vermuten ließe.

In Frankfurt waren viele humorlose Eishockeyspieler unterwegs. Nur spielten sie kein Eishockey. Leider.

Als wir ins benachbarte Offenbach ausweichen, um eine dort angemeldete und genehmigte Soli-Demo abzuhalten, folgen uns die bemenschten Uniformen.

Offenbach erlaubt wohl alles, was dazu führt, dass wer in die Stadt kommt, sage ich zu einem meiner Begleiter.

Am Ende stehen etwa einhundert Demonstranten geschätzte 300 grün-schwarze Polizisten mit Schienbeinschonern gegenüber.

Auf der kleinen Kundgebung am Marktplatz berichtet eine sehr junge Frau, dass sie sich in der „Gesa“ habe nackt ausziehen müssen.

Ein Demonstrant wird plötzlich aus der Gruppe gezerrt, hinter einer Polizeilinie durchsucht, weil er angeblich die Demoroute versucht habe zu verlassen.

Das war nicht ausgemacht! brüllt eine Einsatzkraft.

Nackisch ausziehn war auch nicht ausgemacht! brüllt ein Demonstrant zurück.

Konstruktiv und bürgernah – autonome Antifa! skandiert die Antifa. Demonstranten und Passanten lachen. Ein Gastwirt spielt laut „Ton Steine Scherben“-Songs in seinem Biergarten. Die Staatsmacht bleibt grimmig.

Als vor der Blockupy-Abschlussdemo am Samstag in Frankfurt Grundgesetze unter den Demo-Teilnehmern verteilt werden, überlegen wir, die Polizei mit den Büchern zu bewerfen. Aber das ist natürlich verboten – weil das ein gewaltsamer Akt wäre: Das eigene spießbürgerliche Manifest dem personifizierten spießbürgerlichen Gewaltmonopol an den Kopf werfen. Und außerdem tun uns die armen Schweine langsam fast ein bißchen leid.

Also marschieren die fürchterlichen linksradikalen Kriminellen ohne Bücher- oder Steinwurf an den versteinerten Uniform-Menschen vorbei, treffend „Ihr habt euch selbst blockiert!“ singend. Grinsend.

Später wird unter den Demonstranten vor allem ein Eintrag im Liveticker der Frankfurter Rundschau für verständliche Freude sorgen:

17:24 Uhr. Aufgebrachte Westendbewohner melden sich in der Redaktion und klagen über tief fliegende Polizeihubschrauber

Die Menschen in den Rüstungen, den Hubschraubern, den Wasserwerfern und Einsatzbussen haben keine Freude an der Veranstaltung an diesem sehr warmen, sehr sonnigen Frühsommertag. Sie schwitzen und gähnen und schauen böse aus ihren kleinen, heißen Gefängnissen.

Es wurde im Vorfeld viel über Gewalt diskutiert innerhalb der verschiedenen an den Demos beteiligten Gruppen – auch mit den Gewaltbereiten in den eigenen Reihen; bei den Veranstaltungen wurde sichtbar: Heillos gewaltbereit ist die Staatsmacht, die auf Biegen und Brechen ein inhumanes ökonomisches System beschützen will, warum auch immer.

Es ist eine stumpfe, drohende, beängstigende Gewalt, inhaltsleer, ziellos. Und genauso sieht sie aus: Der Polizist ist nur Funktionsträger, ohne Forderung, ohne Inhalt; er repräsentiert nicht nur den Staatsapparat, der ihm die Befehle erteilt, er ist auch sinnstrukturell ein Abbild des Kapitalismus: Reduziert auf Funktion, bis er nichts mehr ist als ein geistloser Vollstrecker eines Systems, das nichts Gutes und nichts Schlechtes will, nur immer akkumulieren. Eishockeyspieler ohne Puck und Eis, Humor und Tore.

This is what democracy looks like

ist neben „A-Anti-Antikapitalista“ einer der häufigsten Slogans, die ich an den drei Tagen Blockupy gehört habe – dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Während Blockupy starben rund dreihunderttausend Menschen an Hunger.

Irgendwo. Ganz humorlos.

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Ein Gespenst geht um…

Am Blockupy-Wochenende ist Frankfurt eine Polizeistadt. Zentrale Plätze, U-/S-Bahn-Stationen und ganze Straßen werden auf politische Anweisung durch die Polizei abgeriegelt. Nach Gutdünken der Polizisten dürfen einige Passanten zentrale Verkehrswege nutzen, andere werden von der Nutzung grundsätzlich ausgeschlossen und wieder andere müssen sich vor dem Passieren ausweisen. Wer diesem nicht Folge leistet, wird unsanft eben dazu gezwungen. Busse werden vor der Ankunft in Frankfurt angehalten, durchsucht und an der Einreise nach Frankfurt gehindert. Den Insassen wird ein Aufenthaltsverbot für die Frankfurter Innenstadt ausgesprochen. Ähnlich ergeht es Frankfurtern und Besuchern, die sich in größeren Gruppen in der Stadt bewegten. Sie werden von Polizisten umstellt und nicht selten in Gefangenensammelstellen abtransportiert (der Ermittlungsausschuss spricht von 1430 Ingewahrsamnahmen!). Das angewandte Standardverfahren beinhaltet auch immer ein Aufenthaltsverbot, so dass selbst Anwohner, einem Hausarrest gleichend, massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind. Öffentlicher Protest wird durch das nahezu umfassende Demonstrationsverbot faktisch aus-geschlossen.

Entsetzt über die Situation in Frankfurt, beschließen wir gemeinsam mit einigen hundert Leuten spontan im nahe gelegenen Offenbach gegen die Kriminalisierung der Proteste und damit verbundene Inhaftierungen zu demonstrieren. Bei unserer Ankunft sind die ersten Demonstranten bereits von mindestens genauso vielen Polizisten umstellt. Schnell ist klar: Dieses Aufgebot an ausgebildeten und bewaffneten Polizeikräften ist als Maßnahme zur Sicherheitsvorkehrung absolut überzogen! Die Truppenstärke wird selbst dann nicht auf ein adäquates Maß reduziert, als die Überschaubarkeit der Demonstration absehbar geworden ist. Das dadurch in der Öffentlichkeit erzeugte Statement: Kritik mit antikapitalistischer Stoßrichtung ist kriminell. Sympathisanten aus der Bevölkerung sollen abgeschreckt werden. Das volle Ausmaß des Polizeieinsatzes wird uns jedoch erst nach der Demo bewusst: Die unzähligen aus Frankfurt herangezogen Polizeiautos in den Zufahrtstraßen zum Bahnhof legen den Verkehr komplett lahm. „Guck dir das genau an!“ sagt neben uns ein Passant zu seinem Sohn, während er das Spektakel mit seiner Handykamera festhält.

„Das erlebst du nur einmal im Leben!“

Bleibt zu hoffen, dass er damit Recht behält.

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Von der Sitzblockade im Camp zur Arbeit, nach der Arbeit in die Stadt. Dort wurde mir erst bewusst welche Ausmaße der Polizeieinsatz hatte. Die Exekutive war überall und sorgte für mulmige Gefühle. Ein friedlicher Rave wurde an der Hauptwache eingekesselt, kein Durchkommen mehr. So versuchte ich die Hauptwache zu verlassen, wenn ich schon nicht am Rave teilnehmen konnte – Ich musste sowieso auf Toilette.

Als ich versuchte, Richtung Römer zu laufen, sprintete plötzlich ein Trupp Polizisten in meine Richtung und kesselte mich sowie andere Personen ein. Personalienkontrolle und dabei schön in die Kamera lächeln. Auf Anfrage wieso, erfuhr ich, dass ich beobachtet worden wäre. Nach mehrmaliger Absprache hatten Kollegen festgestellt, dass ich wie ein Aktivist aussehen könnte.

45 Minuten warten, keine Toilette nach mehrmaliger Anfrage und ein Platzverweis für die gesamte Innenstadt bis zum Ende des Tages. So etwas geschah mir den nachfolgenden Tagen noch 2, 3 Mal. Als wir den Paulsplatz besetzten, grinste mir ein Polizist mit einem Knüppel in der Hand mit den Worten ins Gesicht „ob ich mehr wolle“?

Ich sah Aktivisten die an den Haaren vom Römerberg gezogen wurden. Schmerzgriffe der Polizei, schmerzerfüllte Schreie von Aktivisten. Würdelose ständige Personenkontrollen. Unbeteiligte Bürger, die für ihre laute solidarische Kundgebung ihrer Meinung zu dem Ganzen einen Knüppel in die Magengegend erhielten. Versammlungen die aufgelöst wurden, nur um die ganze Versammlung daraufhin 100 Meter weiter zu tragen. Ist das dort keine illegale Versammlung mehr?

Uns wurde verboten, das Grundgesetz zu verteilen und auch es auszuüben. Das war das erste Mal in meinem Leben das ich theoretische sowie praktische Polizeigewalt erlebte – 7 Tage lang, von der Diffamierung im Vorfeld bis zur ausübenden Exekutive in ihrer vollen Macht. Es war auch das erste Mal in meinem Leben, dass nur die Anwesenheit der Presse mir meine Angst vor der drohenden Polizeigewalt nehmen konnte.

Frankfurt Polizeistaat, ich habe ihn erlebt.

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Das, was ich während der Blockupy-Aktionstage gesehen habe, lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. Die Szenarien, die in diesen Tagen von statten gingen waren vielfältig. Ich habe wunderschöne Dinge gesehen.

Es war bunt und friedlich.

Neben vielen sehr netten Gesprächen mit Polizisten, Passanten, Ladenbesitzern und Brezelmännern, friedlichen Platzbesetzungen und Trommelsessions gab es ebenso Szenen, die mich sehr wütend gemacht haben.

Dass ich mich per se schon über ein so großes Polizeiaufgebot ärgere, angesichts der Tatsache eines absolut friedlichen Aktionskonsens, sei hier dahingestellt.

Dass viele Polizisten nicht identifizierbar waren, dass sie Masken trugen, die nur noch ihre Augen sichtbar ließen, hat mir Angst gemacht und mir mehr als zuvor zu denken gegeben. In diesen Tagen habe ich mich zum Staatsfeind gemacht gefühlt.

Insgesamt wurde ich drei mal eingekesselt, sieben mal kontrolliert. Ich habe ein Stadtverbot bekommen und wurde beinahe in die GESA (Gefangenensammelstelle) mitgenommen, wenn es dort noch Plätze gegeben hätte.

Diese repressiven Techniken haben mir einerseits Angst, andererseits haben sich mich wütend gemacht, denn ich lege großen Wert auf friedlichen Widerstand und bin gegen jede Form von Gewalt. Was mir an Staatsgewalt entgegenkam, war maßlos übertrieben und eher eskalierend als de-eskalierend. Trotz so mancher Schikane (an dieser Stelle muss ich anmerken, dass diese Kriminalisierungsstrategie eine politische Entscheidung war) sind wir friedlich, kreativ und bunt – und umso entschlossener auf den Straßen und Plätzen geblieben.

Das gibt mir Hoffnung.

PS: Liebe Polizei, ich hätte gerne meine persönlichen Notizen wieder, die mir bei einer Rucksackdurchsuchung von einem ihrer vermummten Kollegen abgenommen wurden.

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Jour 1 pour la rencontre internationale de solidarité.

Le titre commence bien… Dommage que le récit ne puisse pas suivre le même ton. Un programme bien élaboré de formations, débats, réflexions autour de la crise et des pistes de solutions. Un moment pour débattre entre peuples du monde entier. Interdit!

La veille de la grande manifestation de Francfort, seuls les chanceux à avoir pu passer les barrières policières aux autoroutes s’organisaient comme ils pouvaient pour manifester leur droit à la parole contre le système répressif.

Alors qu’il était difficile de s’organiser parce que la police n’avait laissé, depuis lors, aucun point de rencontre accessible à tous les voyageurs, nous partions quand même en petits groupes dès 7 heures du matin direction la gare centrale. Bien nombreux fussent ceux qui ne purent y arriver.

Contrôles d’identités à chaque coin de rue, fouilles, gain de temps, stratégie de la peur. Pour ceux qui y arrivèrent, une troupe de police armée leur courut après jusque dans un quartier éloigné, divisant les forces apeurées et procédant in fine à des arrestations groupées avec, parfois, interdiction de territoire jusqu’au lendemain 7 heures, heure de la manifestation encore autorisée malgré leur menaces d’y mettre un terme. Pour ceux qui n’avaient pas réussi à s’y rendre, arrestations arbitraires, mêmes sanctions.

Je me souviendrai toujours à quel point ils arrivaient à nous faire peur en déboulant de je ne sais où une matraque à la main.

On courait comme on pouvait.

Mais je me souviendrais aussi lorsque je répondais aux citadins de Francfort qui me demandaient pourquoi tant de répression, alors que nous étions calmes et que nous ne dégradions rien.

Ceux-là même qui, au final, nous rejoindrons à la grande manifestation pour dénoncer une répression incroyable et illégitime.

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„Sie haben zwei Stunden Zeit, um die Stadt zu verlassen. Falls wir oder einer unserer Kollegen Sie danach noch einmal überprüfen sollten, werden Sie dem Haftrichter vorgeführt.“

Mit diesen Worten wurde ich am Freitag gegen 12:30 Uhr aus einer Personenkontrolle entlassen. Fast eine Stunde lang wurden wir zu siebt von vier Polizeibussen und einem Dutzend schwarz gerüsteter Polizeibeamter eingekreist, weil wir gemeinsam durch die Straßen gelaufen waren, um zu sehen, mit welchen Mitteln und Methoden unser aller Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung unterbunden werden sollte.

Schon immer störte mich der Begriff der „repräsentativen“ Demokratie, zumal als Vertreter des Gedankens an eine wahre, direkte Demokratie, die sich keinen Parteibüchern mehr beugt, keine Interessen starker Lobbyverbände vertritt, so wie es heute geschieht; sondern eine Demokratie von unten: Selbstorganisation, Autonomie, Selbstbestimmung mündiger Menschen, die zum Wohle der Allgemeinheit aus freiem Willen das ihre dazu beitragen, dass kein Mensch auf dieser Welt länger Opfer von Hunger, Unterdrückung und Ausbeutung sein muss. – Darum sollte es gehen. Dafür sind wir auf die Straße gegangen. Trotz Verbot und trotz Drohungen. Gegen das kapitalistische System an sich, weil es für all jene genannten und für viele weitere Übel steht: Krieg um Ressourcen, Ausbeutung anderer Länder, Herrschaftsverhältnisse zwischen- und innerstaatlich, Machtspiele „hibbe un dribbe“ auf den Schultern der arbeitenden Bevölkerungen. Das Finanzsystem und die aktuelle Schulden- und Austeritätspolitik bilden dabei nur die Spitze des Eisbergs…

Ja, in Frankfurt wurde in diesen Tagen klar, wie aus dem, was sich selbst eine „repräsentative“ nennt, eine „repressive“ Ordnung wird. Die gewählten „Volksvertreter“ entschieden sich für schwerstes Geschütz, blockierten die Stadt, kriminalisierten all diejenigen, die gegen die kriminellen und menschenverachtenden Machenschaften der miteinander klüngelnden Politik und Finanzindustrie auf die Straße gehen wollten.

„Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind.“ – so schrieb der römische Dichter Ovid. Er meinte damit die Liebe…

Heute gebrauchen wir den Satz in umgekehrter Weise: was sich hier anbahnt, eine antidemokratische, losgelassene neoliberale Entwicklung der Spaltung, der Feindbilder und der Konkurrenz innerhalb der EU, aber auch über sie hinaus – das alles muss verhindert werden!

Etwas gänzlich anderes zeigte sich demnach denn auch ganz (un)verblümt während der vier Tage der Zwangsverhängungen. Mag der Druck, mag die strukturelle und auch die physische Gewalt gegen die Kritiker des Systems Kapitalismus auch immer weiter ansteigen, wir sind nicht schlichtweg gegen etwas, sondern auch für etwas. Dieses leben wir aus: auf den Straßen, in unseren Köpfen, in den Häusern und den Fabriken – und wir breiten uns aus.

Gegen Liebe und Solidarität ist noch kein Kraut gewachsen…

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Comments
2 Responses to “// Critical Comments On The Suppression During Blockupy Frankfurt Action Days //”
  1. ubeudgen sagt:

    Reblogged this on Ubeudgen’s Blog and commented:
    Auszug aus dem Beitrag:

    „Kessel, Gewahrsamnahme von drei Jugendlichen. Eine Mauer von behelmten, verkabelten Polizisten, von innen und von außen filmende Spezialisten. Auch hier wurde mir jetzt von einem älteren Menschen, den ich bezahle, nahegelegt, dass ich das Land, dessen Gerichturteil ich nicht respektiere, verlassen kann!?!?

    Ich fordere eine Stellungnahme des Innenminister B. Rhein und des Polizeipräsidenten hierzu:

    Wer ist für eine solche Gesinnung, oder besser gesagt, für diese Gehirnwäsche verantwortlich?“

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